Es ist alles relativ

Es ist alles relativ

Eigentlich haben wir uns die Sommerferien anders vorgestellt. Und eigentlich hatten wir nicht vor, dem Krankenhaus einen Besuch abzustatten. Es war wirklich alles ziemlich ätzend. Bis zu dem Moment, in dem ich zwei kleine Patientinnen sah. Die eine vielleicht zwei, die andere nicht älter als sechs oder sieben. Zwei kleine tapfere Mädchen südländischer oder orientalischer Herkunft, wer weiß schon, welche Geschichte sie bereits hinter sich haben. Auf jeden Fall eine, die sie für immer gezeichnet hat: Beide Mädchen haben schwere Verbrennungen, das kleinere Mädchen hat ein komplett entstelltes Gesicht. In seinen Augen sieht man den Schmerz und das Trauma. Noch weiß dieses Mädchen nicht, dass sein Leben nicht normal sein wird. Noch ahnt es nicht, dass es niemals so unbeschwert und frei durchs Leben gehen wird wie andere Menschen. Und die große Schwester … so tapfer, so höflich. Sie lächelte mich dankbar an, weil sie kaum Deutsch spricht, als sie auf das Regal in der Kaffeeküche zeigte und sagte: „Glas.“ Das Wort Bitte sprach sie mit ihren Augen. Ich gab es ihr, half ihr, es mit Wasser zu füllen, und sie nahm das Glas mit diesem wunderbaren kleinen Lächeln an, mit ihrer brandvernarbten Hand.
Das sind Momente, in denen alles andere unwichtig ist. Und in denen einem bewusst wird, dass das, was man selbst gerade erlebt, ZUM GLÜCK nichts wirklich Schlimmes ist. Morgen kehren wir zurück in unser normales Leben. Ein Leben, das diese beiden Mädchen wahrscheinlich gar nicht kennen.
Es ist egal, ob man gestresst ist. Und es spielt überhaupt keine Rolle, ob der Job vielleicht gerade mal so richtig sch … ist. Was wirklich zählt ist, dass man gesund ist. Und ein harmonisches Umfeld hat. Ein sicheres Umfeld. Alles andere ist doch echt pipifax.

In diesem Sinne … wünsche ich euch Gesundheit. Und Glück. Und dass ihr täglich das Gefühl habt, geliebt zu werden.

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