Gedanken zum Thema „Autorenlesungen“ und warum es sie noch gibt

Gedanken zum Thema „Autorenlesungen“ und warum es sie noch gibt

Ich habe gerade einen Artikel in der „Welt“ gelesen, in dem die geschichtlichen Ursprünge der Autorenlesungen offengelegt wurden, um ergründen zu können, warum es diese Art des Vortrags eigentlich noch gibt. Weil doch – laut dem Autor des Artikels – so eine Lesung eigentlich sowohl für den Autor als auch für den Leser eine Qual ist. Nicht jeder Autor / nicht jede Autorin kann gut vortragen, daran besteht wohl kein Zweifel. Aber deswegen eine ganze Gattung von kulturellem Geschehen direkt verteufeln und ihre Existenz in Frage stellen? Wenigstens hat der Autor deutlich gemacht, dass es im Endeffekt darum geht, dass der Autor aus seinem stillen Kämmerlein herauskommt. Zumindest das kann ich bestätigen, wenn es auch nicht die ganze Wahrheit ist.
Davon abgesehen finde ich, dass jede Lesung eine wertvolle Erfahrung ist. Als Autorin überwinde ich mich jedes Mal aufs Neue, mich dort vor das Publikum zu stellen, kann es mittlerweile aber auch genießen. Aber auch nur, weil ich meine Lesungen vorher übe, um die Zuhörer nicht zu vergrätzen. Die Methode funktioniert offenbar, was ich an den unmittelbaren Reaktionen feststellen kann. Das ist ein weiterer Vorteil: Wie ein Theaterschauspieler auf der Bühne weiß der Autor auf dem Podium sofort, ob er ankommt oder nicht, ob sein Buch ankommt.
Lyrik höre ich, je nachdem, wer sie vorträgt, sehr gerne auf Lesungen. Gerade auf der Mülheimer Lesebühne vor zwei Wochen habe ich einen unglaublich guten Lyriker erleben dürfen, der mich in seine Gedichte regelrecht hineingesogen hat.
Wenn ich den Artikel lese und bedenke, seit wie vielen hundert Jahren es schon Lesungen, Vorträge oder ihre Grundformen davon gibt, muss ich doch sagen: Wie schön, dass dieses kulturelle Erbe uns erhalten geblieben ist! Wie schön, dass diese Tradition gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit noch gepflegt wird und sich Menschen die Zeit nehmen, sich dort hinzusetzen und zuzuhören, bereit sind, sich auf eine neue Geschichte und einen neuen Autor einzulassen.
Danke, liebe Leser und Zuhörer. 🙂

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